Originalpublikation: Amati F, Stainer A, Morlacchi LC, et al. Treatable traits approach for personalised management of sarcoidosis. BMJ Open Respiratory Research 2026;13:e003919 · doi: 10.1136/bmjresp-2025-003919
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Treatable traits approach for personalised management of sarcoidosis Übersetzung

Interstitielle Lungenerkrankung

„Treatable Traits“-Ansatz für eine personalisierte Behandlung der Sarkoidose

Francesco Amati1,2, Anna Stainer1,2, Letizia Corinna Morlacchi3,4, Rocco Francesco Rinaldo5,6, Davide Biondini7,8, Francesco Blasi3,4, Paolo Solidoro5,6, Stefano Aliberti1,2 und Paolo Spagnolo7,8

Eingegangen: 31. Oktober 2025 · Angenommen: 11. Juli 2026

Zusammenfassung

Bei der Sarkoidose haben personalisierte Strategien, die die verschiedenen Phänotypen und Endotypen der Erkrankung berücksichtigen, das Potenzial, die Patientenversorgung zu verbessern. Der Ansatz der „behandelbaren Merkmale“ (TT) bietet eine vielversprechende Strategie, die bereits bei mehreren anderen chronischen Lungenerkrankungen vorgeschlagen und umgesetzt wurde. In dieser Übersichtsarbeit schlagen wir fünf verschiedene TT- Kategorien für Patienten mit Sarkoidose vor: ätiologische, lebensstilbezogene, pulmonale, extrapulmonale (systemische) und Komorbiditäten.

Trotz des Potenzials dieser Strategie behindern mehrere Herausforderungen ihre Umsetzung. Zudem stammt ein Großteil des Wissens über die Definition und Prävalenz von TTs aus Studien, die an einzelnen Zentren durchgeführt wurden. Die Einrichtung internationaler Register wird unser Verständnis vertiefen und genauere Daten zu diesen Merkmalen liefern.

TTs sind dynamisch und erfordern eine kontinuierliche Beurteilung, um aufgrund von Veränderungen im Krankheitsverlauf oder im Ansprechen auf die Behandlung wirksam reagieren zu können. Ein multidisziplinärer Behandlungsansatz ist daher von entscheidender Bedeutung, da die Sarkoidose mehrere Organe betreffen kann. Die Einbindung von Hausärzten in das Behandlungskonzept wird die Patientenversorgung insgesamt verbessern.

Die Einbeziehung der Patientenpräferenzen in die TT-Strategie ist entscheidend für eine bessere Therapietreue. Darüber hinaus liefert die Verwendung von patientenberichteten Ergebniswerten wertvolle Erkenntnisse über die Auswirkungen der Behandlung. Während der TT-Ansatz in entwickelten Gesundheitssystemen umsetzbar ist, bestehen in ressourcenbeschränkten Umgebungen Herausforderungen. Die Weiterentwicklung einer patientenzentrierten Versorgung hin zur 5P-Medizin erfordert die Berücksichtigung zentraler TTs, die den individuellen Bedürfnissen der Patienten gerecht werden.

Daher sind randomisierte kontrollierte Studien mit Schwerpunkt auf TTs erforderlich. Unsere vorgeschlagene TT-Strategie zielt darauf ab, die Lebensqualität und die Behandlungsergebnisse für Patienten mit Sarkoidose zu verbessern und gleichzeitig das Bewusstsein für die Bedeutung von TTs bei im Gesundheitswesen Tätigen und bei Interessenverbänden zu schärfen.

Einleitung

Sarkoidose ist eine chronische, systemische, entzündliche Erkrankung, die durch die Ansammlung nichtverkäsender Granulome in den betroffenen Organen gekennzeichnet ist [1]. Nach der vorherrschenden Hypothese entstehen Granulome als Reaktion auf ein bislang nicht identifiziertes Antigen (oder Antigene) bei genetisch prädisponierten Personen [1,2]. Das klinische Erscheinungsbild, der Krankheitsverlauf und die Prognose der Sarkoidose sind variabel und unvorhersehbar [2]. Während bei bis zu einem Drittel der Patienten eine spontane Rückbildung eintreten kann, entwickeln andere im weiteren Verlauf erhebliche chronische Komplikationen, darunter Lungenfibrose, Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen und/oder Neurosarkoidose [3,4]. Diese Variabilität wird wahrscheinlich durch genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und den sozioökonomischen Status beeinflusst [5].

Aufgrund unterschiedlicher Muster der Organbeteiligung sowie Variationen beim Ausbruch und Verlauf der Erkrankung wurden mehrere Phänotypen der Sarkoidose identifiziert [6,7]. Darüber hinaus wurden starke Zusammenhänge zwischen Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) und dem Ausbruch sowie dem Verlauf der Erkrankung festgestellt, was auf die Existenz unterschiedlicher Signalwege (d. h. Endotypen) innerhalb der Sarkoidose hindeutet [8]. Das Konzept des „Endophänotyps“ hat in jüngster Zeit an Aufmerksamkeit gewonnen, was die zunehmende Anerkennung der Rolle der Genetik bei der Manifestation der Erkrankung widerspiegelt [9].

Im Rahmen eines Delphi-Konsenses wurde ein Schema zur Steuerung therapeutischer Interventionen entwickelt, das je nach klinischem Verlauf der Sarkoidose-Patienten unterschiedliche Behandlungsstufen berücksichtigt [10].

Die Behandlung der Sarkoidose bleibt jedoch aufgrund mehrerer Faktoren eine Herausforderung, darunter die begrenzte Anzahl randomisierter kontrollierter Studien (RCTs), die zu dieser Erkrankung durchgeführt wurden, die Abhängigkeit von Evidenz geringer Qualität als Leitlinie für die Behandlung, das Fehlen von Instrumenten zur Vorhersage des Ansprechens auf die Behandlung sowie der Einfluss von Komorbiditäten, psychosozialen Faktoren und des Lebensstils auf den natürlichen Krankheitsverlauf und die Ergebnisse [1013].

Daher sollten bei Patienten mit Sarkoidose personalisierte Ansätze auf der Grundlage von Phänotypen und Endotypen umgesetzt werden. Um diese Lücke zu schließen, stellt ein „Treatable Traits“ (TTs)-Ansatz eine vielversprechende Strategie dar. Ein TT ist definiert als ein klinisch relevantes phänotypisches oder endotypisches Merkmal, das bewertet und potenziell durch eine Intervention gezielt adressiert werden kann, mit dem Ziel, ein damit verbundenes klinisches Ergebnis zu verbessern [14]. Diese Strategie zielt darauf ab, behandelbare Ziele entsprechend ihrer Art zu identifizieren und Patienten im Sinne der Präzisionsmedizin entsprechend zu behandeln [15].

Dieser Ansatz wurde bereits für verschiedene Lungenerkrankungen sowie für Bindegewebserkrankungen wie die systemische Sklerose vorgeschlagen und umgesetzt [1620]. In dieser Übersichtsarbeit schlagen wir fünf verschiedene Kategorien von TT bei Patienten mit Sarkoidose vor: ätiologische, lebensstilbezogene, pulmonale, extrapulmonale (systemische) und Komorbiditäten (Tabelle 1).

Angesichts der Heterogenität hinsichtlich der Evidenzstärke, die die einzelnen Merkmale stützt, haben wir diese nach ihrem Evidenzgrad (etabliert, im Entstehen begriffen oder spekulativ) stratifiziert, um ihre aktuelle klinische Anwendbarkeit besser widerzuspiegeln und sie an die ursprüngliche Definition von TTs anzupassen. In den folgenden Abschnitten werden Beispiele für TTs jeder Kategorie vorgestellt und diskutiert. Tabelle 1 fasst die vorgeschlagenen TTs zusammen.

Tabelle der Treatable Traits

Tabelle 1: Treatable Traits bei Sarkoidose
Behandelbares MerkmalBewertungsinstrument(Mögliche) BehandlungsoptionErwarteter NutzenEvidenzgrad
Ätiologische Faktoren/Risikofaktoren
Adipositas BMI Taillenumfang Taillen- Hüft-Verhältnis Ernährungsempfehlungen
Pneumonologische Rehabilitation
Adipositaschirurgie
Das Risiko der Entstehung und des Fortschreitens einer Sarkoidose verhindern oder verringern
Verbesserung der Lebensqualität
Verbesserung der Belastbarkeit
Spekulativ
Lebensstil
Einhaltung der Therapie Feedback von Patienten und Angehörigen
Skala zur Beurteilung der Therapietreue
Aufklärung / Fortbildung
Schriftliche Anweisungen
Selbstmanagement
Familiäre und soziale Unterstützung
Verbesserung der Behandlungsergebnisse
Verbesserung der Lebensqualität
Etabliert
Bewegungsmangel / Dekonditionierung der Skelettmuskulatur Kardiopulmonale Belastungsuntersuchung
6MWT
Verschriebene Trainingsprogramme
Lungenrehabilitation
Verbesserung der Lebensqualität
Verbesserung der Lungenfunktion
Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Etabliert
Ernährung Von Patienten ausgefüllte Ernährungsfragebögen Ernährungsempfehlungen Verbesserung der Lebensqualität
Mögliche Modulation systemischer Entzündungen
Management von Hyperkalzämie
Management steroidbedingter Nebenwirkungen
Spekulativ
Pulmonal
Nicht-fibrotische Beteiligung Vom Patienten berichtete Symptome
Lungenfunktionstests
HRCT
Laboruntersuchungen
Bronchoskopie mit BAL
Lungenbiopsie
Überwachung
Systemische Therapie
Behandlung der Symptome
Verbesserung der Lungenfunktion
Verbesserung der Lebensqualität
Progression und Fibrose verhindern
Etabliert
Fortschreitende fibrotische Beteiligung Vom Patienten berichtete Symptome
Lungenfunktionstests
HRCT
Laboruntersuchungen
Lungenbiopsie
Optimierung der Therapie
Einsatz von Antifibrotika in Betracht ziehen
Überweisung an ein Lungentransplantationszentrum
Symptome lindern / stabilisieren
Verlangsamung des Rückgangs der Lungenfunktion
Verbesserung der Lebensqualität
Senkung der Mortalität
Verhinderung von Exazerbationen
Im Entstehen begriffen
Chronische Ateminsuffizienz ABG
6MWT
Polysomnographie
Langzeit-Sauerstofftherapie
Nichtinvasive Beatmung
Überweisung an ein Lungentransplantationszentrum
Lungenrehabilitation
Palliativversorgung
Verbesserung der Lebensqualität
Linderung der Symptome
Verbesserung der Überlebensrate
Etabliert
Refraktärer chronischer Husten Vom Patienten berichtete Symptome – Bewertungsskalen (LCQ, VAS, CQLQ) Hustenmittel
Thalidomid
Gabapentin
Verbesserung der Lebensqualität Im Entstehen
Atemwegsobstruktion Lungenfunktionstests Bronchodilatatoren
Systemische und/oder inhalative Steroide
Verbesserung der Lungenfunktion
Verbesserung der Lebensqualität
Verringerung/Stabilisierung der Symptome
Etabliert
Lungenerkrankungen
Akute Exazerbation HRCT
Bronchoskopie mit BAL (mikrobiologische und zytologische Probenentnahme)
Laboruntersuchungen
Systemische Glukokortikoide
Einsatz von Antifibrotika in Betracht ziehen
Überlebensrate verbessern Etabliert
Rezidivierende Erkrankung HRCT
Bronchoskopie mit BAL (mikrobiologische und zytologische Probenentnahme)
Laboruntersuchungen
Systemische Glukokortikoide
Anpassung der Immunsuppression
Einsatz von Antifibrotika in Betracht ziehen
Symptome lindern/stabilisieren
Verlangsamung des Rückgangs der Lungenfunktion
Verbesserung der Lebensqualität
Senkung der Mortalität
Etabliert
Granulomatöse Hautläsionen Klinische Beurteilung
Instrumente zur Hautbeurteilung (SASI, CSAMI)
Histologie der Hautbiopsie (Granulome)
Kulturen aus Hautbiopsien
Topische Therapie
Systemische Therapie
Verbesserung der Lebensqualität
Vermeidung von Narbenbildung
Etabliert
Erythema nodosum Klinisches Erscheinungsbild
Hautbiopsie in Betracht ziehen (Pannikulitis)
Systemische Therapie Symptome lindern
Lebensqualität verbessern
Etabliert
Lymphadenopathie CT-Untersuchung
Ultraschall Biopsie
Überwachung
Systemische Therapie
Reduktion einer massiven Lymphadenopathie Im Entstehen
Milzbefall CT-Untersuchung
Ultraschalluntersuchung
Vollständiges Blutbild (Untersuchung auf Hypersplenismus)
Überwachung
Systemische Therapie
Bei refraktärem Hypersplenismus eine Operation in Betracht ziehen
Symptome lindern
Hypersplenismus behandeln
Im Entstehen
Uveitis Anamnese
Augenuntersuchung
Ophthalmologische Bildgebung
Lokale Therapie
Systemische Therapie
Behandlung / Linderung der Symptome
Verhinderung von Sehverlust
Etabliert
Erkrankungen der Tränenwege, der Augenhöhle, der Sklera oder des Sehnervs Anamnese
Augenuntersuchung
Ophthalmologische Bildgebung
Biopsie der Bindehaut, der Tränendrüsen oder des Orbitagewebes in Betracht ziehen
Lokale Therapie
Systemische Therapie
Chirurgische Eingriffe bei Beteiligung der Augenhöhle
Behandlung / Linderung der Symptome
Verhinderung von Sehverlust
Chirurgische Korrektur von Strabismus und/oder einer abnormen Augenlidstellung
Im Entstehen
Magen-Darm-Trakt (Mundhöhle, Speiseröhre, Magen, Darm) Anamnese
Endoskopie des oberen Magen-Darm-Trakts und Biopsie
Endoskopie des unteren Magen-Darm-Trakts und Biopsie
CT-Untersuchung
FDG-PET
Nachsorge
Systemische Therapie
Chirurgischen Eingriff in Betracht ziehen (stenotische Läsionen)
Behandlung / Linderung der Symptome Im Entstehen
Leberbefall CT-Untersuchung
FDG-PET
Blutuntersuchung
Leberbiopsie
Ultraschalluntersuchung des Abdomens (Befundbeurteilung, Ausschluss einer portalen Hypertonie)
Nachsorge
Systemische Therapie
Lebertransplantation
Behandlung / Linderung der Symptome
Behandlung / Vorbeugung einer portalen Hypertonie
Verhinderung von Leberzirrhose und Endstadium der Erkrankung
Im Entstehen
Beteiligung des ZNS Anamnese
Neurologische Untersuchung
MRT des ZNS mit Kontrastmittel
Lumbalpunktion
Biopsie (selten indiziert)
Systemische Therapie
Bei einer Raumforderung im ZNS ist eine chirurgische Resektion in Betracht zu ziehen
Korrektur endokrinologischer Defizite bei hypothalamischer Beteiligung
Behandlung / Linderung der Symptome
Verbesserung der Lebensqualität
Etabliert
Neuropathie der kleinen Nervenfasern Screening-Liste für die Neuropathie der kleinen Nervenfasern
Hautbiopsie
IVIG
Anti-TNF
Cibinetid
Behandlung / Linderung der Symptome
Verbesserung der Lebensqualität
Spekulativ
Obere Atemwege Anamnese
Endoskopie
Biopsie
Systemische Therapie
Intraläsionale Therapie
Topische Therapie
Chirurgische Behandlung
Behandlung / Linderung der Symptome Neu aufkommend
Zytopenien im Zusammenhang mit einer Knochenmarkbeteiligung Blutuntersuchungen
FDG-PET
Knochenmarkbiopsie
Systemische Therapie Behandlung / Linderung der Symptome Im Entstehen
Bewegungsapparat Klinisches Erscheinungsbild
Ultraschall- und MRT- Untersuchungen der betroffenen Gelenke
Synovialbiopsie
Systemische Therapie
Synovektomie (bei ausgewählten Patienten mit einer medikamentenresistenten Erkrankung)
Behandlung / Linderung der Symptome
Verbesserung der Lebensqualität
Etabliert
Hyperkalzämie, Hyperkalziurie Laboruntersuchung
Ultraschalluntersuchung des Abdomens
Systemische Therapie Behandlung / Linderung der Symptome
Vorbeugung von Nephrokalzinose und chronischer Nierenerkrankung
Etabliert
Myokarditis Anamnese
Kardiologische Biomarker
EKG
Echokardiographie
PET
Kardiale MRT
Systemische Therapie
ICD-Implantation
Symptome behandeln
Lebensqualität verbessern
Verhinderung des plötzlichen Herztodes
Senkung der Sterblichkeit
Etabliert
PH (Gruppe V) Echokardiographie
RHC
Begleittherapie: Riociguat oder Bosentan nur in ausgewählten Fällen in Betracht ziehen Verbesserung der Lebensqualität
Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Im Entstehen
Sarcoidose-assoziiert (Organkomplikation)
GERD Symptome
pH-Messung im Ösophagus
Manometrie
Oberendoskopie
Ernährungsempfehlungen
PPI, H2-Rezeptorantagonisten, Prokinetika
Fundoplikatio
Verbesserung der Behandlungsergebnisse
Verringerung von Lungenschäden
Im Entstehen
PH (Gruppe III) Echokardiographie
RHC in Betracht ziehen
Überweisung an ein Lungentransplantationszentrum
Studie mit gezielten PH-Therapien bei ausgewählten Patienten (z. B. Treprostinil)
Sauerstoff/nichtinvasive Beatmung
Verbesserung der Lebensqualität
Verbesserung der Behandlungsergebnisse
Senkung der Mortalität
Im Entstehen
Herzinsuffizienz NT-proBNP
Echokardiographie
Koronarangiographie
Gezielte medikamentöse Behandlung
Implantation eines ICD
Verbesserung der Lebensqualität
Senkung der Mortalität
Etabliert
OSA Schlafuntersuchung Ernährungsempfehlungen
CPAP-Therapie
Verbesserung der Lebensqualität
Senkung der Sterblichkeit
Etabliert
Lungenkrebs HRCT
FDG-PET
Biopsie
Chirurgische Resektion
Strahlentherapie
Chemotherapie
Senkung der Sterblichkeit Etabliert
Lungenembolie CT-Lungenangiographie Antikoagulanzien Senkung der Sterblichkeit Etabliert
Kachexie/Unterernährung BMI
Präalbumin
Transferrin
Ernährungsunterstützung
Lungenrehabilitation
Verbesserung der Lebensqualität Etabliert
Gebrechlichkeit FFP-Binär-Score
Frailty-Index
Ernährungsunterstützung
Lungenrehabilitation
Bewegungsprogramme
Verbesserung der Lebensqualität
Senkung der Sterblichkeit
Im Entstehen
Angst/Depression Von Patienten berichtete Werte (z. B. HADS) Beratung / kognitive Verhaltenstherapie
Antidepressiva/Anxiolytika
Lungenrehabilitation
Verbesserung der Lebensqualität
Verbesserung der Therapietreue
Etabliert
Fatigue FAS Psychologische Unterstützung
Lungenrehabilitation Bewegungsprogramme
Neurostimulanzien
Armodafinil
Verbesserung der Lebensqualität Im Entstehen
Behandlungsbedingt
Diabetes Nüchternblutzucker dauerhaft über 125 mg/dL
Zufällige Blutzuckerwerte über 200 mg/dL im Zusammenhang mit einer hochdosierten Glukokortikoidtherapie
Ernährungsempfehlungen
Lebensstilempfehlungen
Insulin
Orale Antidiabetika
Verbesserung der Lebensqualität
Verringerung systemischer diabetesbedingte Komplikationen
Verringerung der Mortalität
Etabliert
Osteoporose/Osteopenie Knochendichtemessung Ernährungsberatung
Lebensstilberatung
Medikamentöse Therapie
Verbesserung der Lebensqualität
Verringerung des Frakturrisikos
Senkung der Sterblichkeit
Etabliert

ABG, arterielle Blutgasanalyse; BAL, bronchoalveoläre Lavage; BMI, Body-Mass-Index; CKD, chronische Nierenerkrankung; ZNS, zentrales Nervensystem; CPAP, kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck; CQLQ, Fragebogen zur Lebensqualität bei Husten; CSAMI, Instrument zur Beurteilung der Aktivität und Morphologie der kutanen Sarkoidose; EKG, Elektrokardiogramm; FAS, Skala zur Beurteilung der Fatigue; FFP, Fried-Frailty-Phänotyp; GERD, gastroösophageale Refluxkrankheit; GI, gastrointestinal; HADS, Hospital Anxiety and Depression Scale; HRCT, hochauflösende Computertomographie; ICD, implantierbarer Kardioverter-Defibrillator; IVIG, intravenöses Immunglobulin; LCQ, Leicester Cough Questionnaire; 6MWT, 6-Minuten-Gehtest; NT-proBNP, N-terminales pro-B-Typ-natriuretisches Peptid; OSA, obstruktive Schlafapnoe; PET, Positronen-Emissions-Tomographie; PET-FDG, Fluordesoxyglukose-Positronen-Emissions-Tomographie; PH, pulmonale Hypertonie; PPI, Protonenpumpenhemmer; QoL, Lebensqualität; RHC, Rechtsherzkatheterisierung; SASI, Sarcoidosis Activity and Severity Index; TNF, Tumornekrosefaktor; VAS, visuelle Analogskala.

Ätiologische Faktoren und Risikofaktoren

Jüngste Fortschritte in der Genforschung haben unser Verständnis der Rolle der Human-Leukozyten-Antigene (HLA) und Nicht-HLA-Gene bei der Pathogenese und Prognose der Sarkoidose erheblich vertieft. Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) und hochauflösende HLA-Typisierung haben gezeigt, dass bestimmte HLA-Allele und SNPs eine Anfälligkeit für Sarkoidose begünstigen, während andere schützend wirken oder mit spezifischen klinischen Phänotypen assoziiert sind. Insbesondere identifizierte eine GWAS mit über 2.500 Personen europäischer Abstammung 49 SNPs innerhalb der HLA-Region, die signifikant mit einer Anfälligkeit für Sarkoidose assoziiert waren [21]. HLA-DRB1*0101, DQA1*0101 und DQB1*0501 erwiesen sich als herausragende Risikofaktoren; sie könnten eine wichtige Rolle bei der Modulation der Antigenpräsentation und der darauf folgenden T-Zell-vermittelten Immunantworten spielen, die Schlüsselelemente in der Pathogenese der Sarkoidose sind. Frühere Studien stützten diesen Zusammenhang ebenfalls. Eine frühere Studie identifizierte SNPs innerhalb der Gene HLA-DRA und BTNL2 als wesentliche Faktoren für die Krankheitsentwicklung, unabhängig von HLA-Allelen [22]. Es zeigte sich ferner, dass diese SNPs als quantitative Expressionsloci wirken, was darauf hindeutet, dass sie das Krankheitsrisiko eher durch Genregulation als durch strukturelle Variationen in HLA-Proteinen beeinflussen könnten. Darüber hinaus unterstrich eine bevölkerungsbasierte Studie in Finnland die Relevanz erweiterter MHC-Haplotypen, wie beispielsweise HLA-DRB1*04:01- DPB1*04:01, für die Anfälligkeit und untermauerte damit die Hypothese, dass der kumulative Effekt mehrerer miteinander verknüpfter Varianten das Krankheitsrisiko besser erklären könnte [23]. Diese Erkenntnisse liefern zwar wichtige Einblicke in die Krankheitsanfälligkeit und Pathophysiologie, stammen jedoch in erster Linie aus Beobachtungs- und bevölkerungsbasierten Studien und sind noch nicht klinisch umsetzbar. Zudem wurden die meisten dieser genetischen Assoziationen vorwiegend in Populationen europäischer Abstammung beschrieben, was ihre Verallgemeinerbarkeit auf andere ethnische Gruppen einschränken könnte [23]. Dennoch könnten die pathophysiologischen Implikationen dieser Befunde von Bedeutung sein, insbesondere wenn man ihr Potenzial für personalisierte Therapiestrategien berücksichtigt. In diesem Zusammenhang wurde wiederholt gezeigt, dass das Allel DRB1*0301/DQB1*0201 im Zusammenhang mit akuten, selbstlimitierenden Erkrankungen (z. B. dem Löfgren- Syndrom) steht [22,23]. Diese Zusammenhänge sollten mit Vorsicht interpretiert werden, da sie keine Auswirkungen auf die klinische Entscheidungsfindung haben. Das Vorhandensein unterschiedlicher immunologischer Signalwege, die durch die HLA-vermittelte Antigenverarbeitung gesteuert werden, könnte jedoch therapeutisch genutzt werden. Theoretisch könnten Patienten, die Allele tragen, die mit chronischen Erkrankungen assoziiert sind, von einem frühzeitigen Beginn immunmodulatorischer Therapien wie Tumornekrosefaktor (TNF)-α-Hemmern profitieren, obwohl dies weiterhin spekulativ ist und nicht durch klinische Studien an nach genetischem Hintergrund stratifizierten Patienten gestützt wird. Obwohl klinische Studien an nach ihrem genetischen Hintergrund stratifizierten Patientengruppen fehlen, liefert die wachsende Zahl an Belegen in diesem Bereich eine überzeugende Begründung für einen solchen Ansatz. Zukünftige Forschungsarbeiten, die genomische, transkriptomische und proteomische Daten integrieren, sind unerlässlich, um prädiktive Biomarker zu entwickeln und diese in individualisierte Behandlungsalgorithmen zu implementieren.

Die durch Adipositas verursachte chronische systemische Entzündung könnte bei der Entstehung verschiedener Erkrankungen, darunter auch der Sarkoidose, eine Rolle spielen. Leptin, ein proinflammatorisches Adipokin, hat eine starke immunmodulatorische Wirkung, die die Proliferation autoreaktiver Zellen aufrechterhalten und dadurch das Risiko für Autoimmunerkrankungen und Sarkoidose erhöhen kann [24]. Neben Adipozyten besteht das Fettgewebe aus verschiedenen Arten von Zellen des angeborenen und adaptiven Immunsystems, die zu seiner Stoffwechsel- und Immunfunktion beitragen [25]. Adipöses Fettgewebe dehnt sich mit zunehmender Adipositas aus und durchläuft Veränderungen in den Populationen der residenten Immunzellen, verbunden mit einem Verlust an entzündungshemmenden Zytokinen und der Sekretion proinflammatorischer Zytokine (z. B. TNF-α, Interleukin (IL)-6) [26]. Darüber hinaus beeinflusst diese Verschiebung bei adipösen Patienten den Phänotyp der Immunzellen in der Lunge und erzeugt ein proinflammatorisches Milieu, das die granulomatöse Entzündung der Sarkoidose auslösen kann [27].

Der erste Hinweis darauf, dass Adipositas ein Risikofaktor für Sarkoidose ist, wurde in einer dänischen registerbasierten Studie berichtet, in der Frauen mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) im Vergleich zu gesunden Frauen ein signifikant höheres Risiko hatten, an Sarkoidose zu erkranken [28]. Dieser Zusammenhang wurde in einer Studie mit afroamerikanischen Frauen sowie in einer registerbasierten Studie bestätigt, die überwiegend kaukasische Patienten umfasste [29,30]. Eine große Kohortenstudie mit mehr als 100.000 Probanden, überwiegend weiße Frauen (96 %), ergab ein höheres Risiko für Sarkoidose bei adipösen oder übergewichtigen Teilnehmern, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums keine Vorerkrankung aufwiesen. Darüber hinaus entwickeln Personen, die eine stärkere Gewichtszunahme verzeichnen, insbesondere im Erwachsenenalter, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Sarkoidose als solche, die ein stabiles Gewicht beibehalten [31]. Umgekehrt fand eine aktuelle retrospektive Studie, in der über 10.000 US-Veteranen mit einer Sarkoidose-Diagnose analysiert wurden, keinen Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Ausbruch der Erkrankung. Allerdings spiegelt der BMI möglicherweise das Verhältnis von Magermasse zu Fettmasse nicht genau wider, da es Hinweise darauf gibt, dass Männer selbst bei gleichem BMI tendenziell eine höhere Magermasse aufweisen als Frauen, und der BMI die zentrale Adipositas nicht misst [32].

Wie kürzlich vorgeschlagen wurde, sollten zukünftige Studien zusätzliche anthropometrische Messungen (z. B. den Taillenumfang) einbeziehen, da der BMI allein möglicherweise kein zuverlässiges Maß für Adipositas als Risikofaktor für Sarkoidose darstellt [33].

Adipositas könnte die Symptome der Sarkoidose verstärken; Studien zeigen im Vergleich zu nicht adipösen Patienten einen schlechteren subjektiven Gesundheitszustand und eine geringere gesundheitsbezogene Lebensqualität (QoL). Tatsächlich ergab eine aktuelle Studie unter Verwendung des King’s Sarcoidosis Questionnaire, dass ein höherer BMI signifikant mit niedrigeren Werten für den allgemeinen Gesundheitszustand assoziiert war, was darauf hindeutet, dass Adipositas die Lebensqualität dieser Patienten negativ beeinflusst [3,4]. Darüber hinaus kann die Behandlung der Sarkoidose mit Kortikosteroiden zu einer Gewichtszunahme führen, wodurch die mit Adipositas verbundenen Entzündungen aufrechterhalten werden [3437]. Somit stellt Adipositas einen modifizierbaren TT dar, der einen tiefgreifenden Einfluss auf mehrere andere Merkmale hat, auch wenn die Rolle bei der Entstehung der Sarkoidose noch bestätigt werden muss.

Lebensstil-Risikofaktoren

Sarkoidose ist mit einer schlechten Therapietreue verbunden. Tatsächlich verläuft sie häufig chronisch und erfordert unter Umständen eine langfristige Behandlung mit Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva, die mit erheblicher Toxizität verbunden sind [34,38]. Bis zu zwei Drittel der Patienten halten sich möglicherweise nicht an die Therapie [39]. Der Einsatz von selbstberichteten Messgrößen zur Therapietreue könnte ein wichtiges Instrument zur Bewältigung dieses Problems sein. Allerdings sind sie anfällig für Verzerrungen durch die „soziale Erwünschtheit“ und können die tatsächliche Therapietreue unterschätzen, wie dies auch bei anderen chronischen Atemwegserkrankungen berichtet wurde [4042].

Trotz dieser Einschränkungen sind selbstberichtete Messungen wichtig, um Patienten zu identifizieren, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer mangelnden Therapietreue höher ist. Sie sollten jedoch mit einer offenen und gründlichen Kommunikation zwischen Patient und Arzt einhergehen, um Unsicherheiten bezüglich der Erkrankung und der Erwartungen des Patienten auszuräumen. Patienten mit Sarkoidose nennen häufig als Hauptkritikpunkt in ihrer Beziehung zum behandelnden Arzt die unzureichende Unterstützung bei der Bewältigung von Behandlungsnebenwirkungen. Einige Patienten haben das Gefühl, dass Ärzte Medikamente nur aus finanziellen Gründen verschreiben [43].

Die Kompetenz des Arztes liegt darin, die Kommunikation auf jeden einzelnen Patienten individuell abzustimmen. Bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen oder Gedächtnisstörungen könnte es beispielsweise wichtig sein, die Familie als Pflegeperson einzubeziehen oder einfache schriftliche Anweisungen zu geben, insbesondere hinsichtlich der Nebenwirkungen von Medikamenten. Nebenwirkungen sind oft ein großes Problem und eine Ursache für die Nichteinhaltung der Therapie, insbesondere bei Patienten, die mit Kortikosteroiden behandelt werden. Die Bedenken der Patienten hinsichtlich der Einnahme von Medikamenten sollten mit dem Arzt besprochen werden, um den Eindruck zu verringern, dass die Behandlung weder patientenzentriert noch auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist [44,45].

Das Ziel einer höheren Therapietreue ist die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, obwohl eine bessere Lebensqualität auch die Therapietreue fördern kann [45]. Der TT- Ansatz könnte Patienten mit Sarkoidose helfen, ihre Erkrankung besser zu verstehen, und hat das Potenzial, eine unangemessene Behandlung zu vermeiden, wenn bestimmte Merkmale ausgeschlossen oder korrigiert wurden. Ein individualisierter Ansatz könnte zudem die Einbindung der Patienten in die gemeinsame Entscheidungsfindung fördern, die Erwartungen der Patienten mit dem Behandlungsplan in Einklang bringen und so Frustrationen bei den Patienten vermeiden [46].

Schließlich ist es wichtig, die Rolle von Patientenverbänden bei der Förderung patientenzentrierter Strategien hervorzuheben, die zur Erstellung von Praxisleitlinien für die Behandlung beitragen, die Lebensqualität der Patienten verbessern und durch die Bereitstellung leicht zugänglicher Informationen über die Krankheit Verwirrung und Isolation verringern.

Pulmonale Treatable Traits

Eine pulmonale Beteiligung bei Sarkoidose tritt bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten auf und ist durch heterogene klinische und radiologische Merkmale gekennzeichnet [47,48]. Bei einigen Patienten kann es sich um eine asymptomatische Erkrankung handeln, die oft zufällig entdeckt wird, während andere eine progressive Fibrose entwickeln können, die auf herkömmliche Behandlungen nicht anspricht und mit einer schlechten Prognose verbunden ist [47]. Dyspnoe und Husten sind die häufigsten Symptome. Die Häufigkeit von Husten bei Sarkoidose variiert erheblich zwischen verschiedenen Populationen, wobei die berichtete Prävalenz zwischen 3 % und 53 % liegt [49]. Studien deuten darauf hin, dass der Schweregrad des Hustens mit der ethnischen Zugehörigkeit und dem Geschlecht zusammenhängt, jedoch nicht mit der Spirometrie, dem Scadding-Stadium, der Rauchergeschichte oder dem Alter [5052]. Darüber hinaus könnte Husten ein sensitiver, aber kein spezifischer Marker für die Sarkoidoseaktivität sein [53]. Bei der pulmonalen Sarkoidose wurde Husten mit verschiedenen Mechanismen und Ursachen in Verbindung gebracht, darunter Reizungen der Atemwege und strukturelle Schäden an den Atemwegen, die direkt aus einer granulomatösen Entzündung resultieren, eine Überempfindlichkeit des Hustenreflexes, eine Verformung der Atemwege durch Fibrose, Bronchiektasien und eine Beeinträchtigung der Atemwegsreinigung sowie eine Beteiligung der oberen Atemwege [54]. Die Merkmale des Hustens bei Sarkoidose variieren je nach zugrunde liegender Ursache, und Husten geht häufig mit einer verminderten Lebensqualität einher [55]. Die Behandlung des sarkoidoseassoziierten Hustens hängt von seiner Ätiologie ab und umfasst inhalative und systemische Kortikosteroide, Bronchodilatatoren, Techniken zur Atemwegsreinigung sowie die Behandlung begleitender Lungeninfektionen [56]. Bei refraktärem chronischem Husten könnten auch Gabapentin und eine multimodale logopädische Therapie in Betracht gezogen werden [57].

Aus funktioneller Sicht ist die pulmonale Sarkoidose typischerweise mit einem restriktiven Ventilationsdefekt aufgrund einer Parenchymerkrankung oder Fibrose verbunden [58]. Allerdings ist auch ein obstruktives Muster häufig. Tatsächlich können endobronchiale Sarkoidgranulome die Atemwege verengen, verformen oder in seltenen Fällen verschließen [59]. Darüber hinaus kann eine endobronchiale granulomatöse Entzündung zu einer Vernarbung der Atemwege fortschreiten, was zu einer Atemwegsobstruktion führt [60]. Bei einer Beteiligung der Atemwege richtet sich die Entscheidung, eine empirische Therapie einzuleiten, nach dem Schweregrad und dem Fortschreiten der Symptome. Insbesondere sind abnormale Lungenfunktionstests ohne Vorliegen von Symptomen keine Indikation für eine Behandlung [61].

Aus radiologischer Sicht wurden kürzlich sieben Phänotypen im hochauflösenden CT (HRCT) beschrieben, die grob in zwei Kategorien unterteilt werden: nicht-fibrotisch und fibrotisch [47]. Eine ausgedehnte Fibrose im HRCT wurde mit einer erhöhten Mortalität in Verbindung gebracht, zusammen mit anderen Faktoren wie einer verminderten forcierten Vitalkapazität (FVC), pulmonaler Hypertonie (PH) und fortgeschrittenem Alter [7,62,63]. Ein progressiver Phänotyp – bezeichnet als progressive pulmonale Fibrose (PPF)- Interstitielle Lungenerkrankung (ILD) – und ein der üblichen interstitiellen Pneumonie (UIP) ähnliches Muster im HRCT sind unabhängige Prädiktoren für die Mortalität. Bemerkenswerterweise entwickelt nur ein kleiner Anteil der Sarkoidose-Patienten eine PPF [64,65]. Die Mechanismen, die zur PPF führen, sind noch nicht vollständig geklärt, doch scheint die Fibrose bei der Sarkoidose eine eigenständige klinisch-pathologische Entität zu sein und nicht Teil eines Kontinuums im akuten Entzündungsprozess [66,67]. Die klinischen und radiologischen Merkmale der PPF weisen unabhängig von der zugrunde liegenden Ätiologie viele Überschneidungen auf, und in explantierten Lungen zeigt sich eine Verstärkung mehrerer Faktoren, die mit der Fibroblastenproliferation bei PPF-ILDs, einschließlich der Sarkoidose, assoziiert sind [68,69]. Patienten mit einer PPF könnten für eine antifibrotische Behandlung in Frage kommen. Ähnlich wie bei der IPF verlangsamt Nintedanib, ein intrazellulärer Tyrosinkinase-Hemmer, das Fortschreiten der Erkrankung – gemessen am Rückgang der FVC – unabhängig von der zugrunde liegenden ILD- Diagnose bei Patienten mit PPF [70]. Insbesondere ist Nintedanib wirksam bei der Verlangsamung des Krankheitsverlaufs bei Patienten sowohl mit UIP- als auch mit Nicht-UIP-Muster im HRCT [70]. Die INBUILD-Studie umfasste jedoch nur eine geringe Anzahl von Sarkoidose-Patienten mit einem progressiven Phänotyp. Obwohl bei Patienten mit einer PPF oder im Endstadium der Erkrankung einige Biomarker beschrieben wurden, gibt es keine zuverlässigen Prädiktoren für das Ansprechen auf eine antifibrotische Therapie [71,72]. Somit stellt die PPF eine relevante klinische Subgruppe bei der Sarkoidose dar, die weiter untersucht werden sollte.

Der klinische Verlauf der fibrotischen pulmonalen Sarkoidose ist jedoch äußerst heterogen, und viele Patienten bleiben trotz ausgedehnter radiologischer Fibrose im HRCT stabil [73]. Darüber hinaus deuten Läsionen wie Knoten, milchglasartige Trübungen, Verdickungen der interlobulären Septen und Konsolidierungen auf eine nicht-fibrotische Erkrankung hin, die potenziell auf eine Behandlung anspricht [59,74]. Die 18F-Fluordesoxyglukose- Positronenemissionstomographie/Computertomographie (18 F-FDG- PET/CT) kann dabei helfen, eine fibrotische von einer aktiven/nicht-fibrotischen Erkrankung zu unterscheiden [75]. Aus dieser Perspektive ist die Identifizierung von Patienten mit aktiver Erkrankung entscheidend, da diese mit größerer Wahrscheinlichkeit von einer antigranulomatösen Behandlung profitieren.

Extrapulmonale Treatable Traits

Aufgrund des systemischen Charakters der Erkrankung ist eine umfassende Beurteilung von Patienten mit Sarkoidose von entscheidender Bedeutung. Die sarkoidoseassoziierte pulmonale Hypertonie (SAPH) ist eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation der Erkrankung, die auf vielfältige Mechanismen zurückzuführen ist [76,77]. Die SAPH ist in Gruppe 5 der PH- Klassifikation enthalten, zu der auch PH mit unklaren und/oder multifaktoriellen Mechanismen gehört [76]. Zu den potenziellen und möglicherweise gleichzeitig auftretenden pathogenetischen Mechanismen zählen: Vaskulitis, granulomatöse Gefäßbeteiligung, venookklusive Erkrankung, Lungenembolie, ILD (parenchymale Erkrankung aufgrund von Granulomen und/oder Fibrose), extrinsische Kompression der Lungenarterie/Lungenvene, fibrosierende Mediastinitis, aber auch extrapulmonale Ursachen wie linksventrikuläre Dysfunktion, Schlafapnoe oder Lebererkrankungen und portale Hypertonie [77]. Daher ist es von größter Bedeutung, bei jedem einzelnen Patienten eine dominierende Ursache für die SAPH zu identifizieren. Die Phänotypisierung der SAPH ist ein dynamischer Prozess mit mehreren potenziellen, sich entwickelnden Phänotypen.

Zwar ist die Immunsuppression ein wesentlicher Bestandteil der Krankheitsbehandlung, doch müssen vor der Erwägung einer Therapie mit spezifischen pulmonalen Vasodilatatoren die Mechanismen, die an der Entstehung der pulmonalen Hypertonie beteiligt sind (unter besonderer Berücksichtigung des Ausschlusses postkapillärer Zustände), der Schweregrad der pulmonalen Hypertonie sowie der Schweregrad der zugrunde liegenden parenchymalen Lungenerkrankung (FVC < 50 % des Sollwerts) sorgfältig beurteilt werden [77]. Es liegen jedoch keine schlüssigen Daten zur Wirksamkeit spezifischer Medikamente gegen pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) bei diesen Patienten vor, [7779] wobei lediglich zwei kleine doppelblinde, placebokontrollierte Studien die Wirksamkeit von Riociguat hinsichtlich der Verlängerung der Zeit bis zur klinischen Verschlechterung nach einem Jahr und der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit80 sowie die Wirksamkeit von Bosentan zur Verbesserung der pulmonalen Hämodynamik belegen [81]. Daher sollte der Off-Label-Einsatz von PAH- Therapien von Fall zu Fall in Betracht gezogen werden [77].

Obwohl davon ausgegangen wird, dass bis zu 25 % der Sarkoidose-Patienten eine Herzbeteiligung aufweisen, tritt eine klinisch manifeste Erkrankung nur in etwa 5 % der Fälle auf [8284]. Die kardiale Sarkoidose ist eine infiltrative Kardiomyopathie, die auf eine granulomatöse Entzündung des Myokards zurückzuführen ist und eine Reihe klinischer Manifestationen hervorrufen kann, darunter eine rechts- oder linksventrikuläre Dysfunktion (sowohl diastolisch als auch systolisch), eine hochgradige Leitungsstörung oder ventrikuläre Arrhythmien [84,85]. Die Entscheidung zur Einleitung einer Behandlung sollte sich nach dem Grad der diagnostischen Sicherheit richten (d. h. „sicher“, wenn sie auf einer histologischen Untersuchung beruht, oder „sehr wahrscheinlich“, basierend auf Befunden der kardialen Magnetresonanztomographie und/oder der Positronen-Emissions- Tomographie) [86]. Neben anderen indizierten medizinischen Maßnahmen (Antiarrhythmika, Implantation von Herzschrittmachern, Standardtherapie bei Herzinsuffizienz) bleiben Glukokortikoide die Medikamente der Wahl, da sie nachweislich das Risiko für wichtige kardiale Komposit- Endpunkte senken [85,87]. Zu den weiteren Therapien, die sowohl zur Steroid-Einsparung als auch zur Immunsuppression dienen, gehören Methotrexat, Azathioprin, Mycophenolatmofetil, Infliximab, Adalimumab oder Cyclophosphamid; allerdings lassen die spärlichen Daten zu ihrer Wirksamkeit und Sicherheit in diesem Kontext keine Empfehlungen zu ihrer Anwendung zu [87].

Komorbiditäts-TTs

Bei einem Patienten mit einer bestimmten Indexerkrankung bezeichnet Komorbidität jede zusätzlich gleichzeitig bestehende Erkrankung. Komorbidität kann den klinischen Verlauf von Patienten mit derselben Erkrankung verändern und sich auf den Zeitpunkt der Diagnose, die Prognose, Behandlungsentscheidungen und die Ergebnisse auswirken [88].

Bei der Sarkoidose können bei denselben Patienten mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen, was es manchmal schwierig macht, zwischen Komplikationen und Begleiterkrankungen zu unterscheiden. Daher ist es entscheidend, eine gründliche Abklärung aller spezifischen Erkrankungen durchzuführen, die möglicherweise mit der Sarkoidose in Zusammenhang stehen [89]. Ein solcher Ansatz ist umso wichtiger, je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist und bei Patienten, die zur Lungentransplantation überwiesen werden. Die Internationale Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantation befürwortet die Behandlung und Optimierung aller (beeinflussbaren) Begleiterkrankungen, um die Aufnahme in die Transplantationsliste zu ermöglichen und die kurz- und langfristigen Ergebnisse nach der Transplantation zu verbessern [90]. Begleiterkrankungen lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen: sarkoidoseassoziierte Begleiterkrankungen und behandlungsbedingte Begleiterkrankungen; diese Unterscheidung ist entscheidend, da letztere vermeidbar sein können.

Fatigue ist das am häufigsten berichtete Symptom bei Sarkoidose und stellt für die Patienten eine Priorität dar [91,92]. Mit Sarkoidose assoziierte Komorbiditäten, darunter Depressionen, Angstzustände und obstruktive Schlafapnoe (OSA), können alle zur Fatigue beitragen. Fatigue ist eine subjektive Beschwerde über körperliche und/oder geistige Erschöpfung, und aus diesem Grund lässt sie sich oft nur sehr schwer von übermäßiger Tagesmüdigkeit unterscheiden [93]. Trotz einer umfassenden Suche nach behandelbaren klinischen Ursachen für Fatigue korreliert die Fatigue bei Sarkoidose nicht mit der Krankheitsaktivität [92]. Ihre Ätiologie bleibt unklar und ist in der Regel multifaktoriell: Sie kann eine Folge der Behandlung, einer granulomatösen Entzündung, psychischer Störungen oder einer Kombination davon sein, aber auch aus anderen Begleiterkrankungen resultieren [92]. Derzeit besteht kein Konsens über die Definition von Fatigue. Fatigue kann als ein- oder mehrdimensionales Konzept betrachtet und gemessen werden. Es wurden jedoch spezifische Skalen entwickelt, um Fatigue im Zusammenhang mit Sarkoidose zu messen, insbesondere die „Fatigue Assessment Scale“ und das „Patient-Reported Outcomes Measurement Information System“ (PROMIS) für Fatigue [94,95]. Die Diagnose einer Sarkoidoseassoziierten Fatigue erfordert eine umfassende Abklärung im Rahmen eines multidisziplinären Ansatzes, um potenziell reversible Ursachen zu identifizieren und zu behandeln. Während psychologische Interventionen stets gefördert werden sollten, gibt es Hinweise auf den potenziellen Nutzen verschiedener Neurostimulanzien, darunter Methylphenidat und Modafinil, bei der Behandlung von Sarkoidose-assoziierter Fatigue [96,97].

Herausforderungen und zukünftige Ausrichtungen einer TT-Strategie

Die Daten zur Definition und Prävalenz von TTs bei Sarkoidose sind nach wie vor begrenzt und stammen vorwiegend aus monozentrischen Beobachtungsstudien [2428]. Die Variabilität der Prävalenz spezifischer TTs wird durch den geografischen Kontext der Studie, die Intensität und Art der diagnostischen Abklärung sowie die Kriterien beeinflusst, anhand derer die Merkmale als klinisch signifikant charakterisiert und definiert werden [39,63,98100]. Darüber hinaus sind einige der in dieser Arbeit vorgeschlagenen Gruppen von TTs nicht vollständig voneinander abgegrenzt und können erhebliche Überschneidungen oder Verknüpfungen aufweisen (z. B. Adipositas, Ernährung, Mangelernährung). Die Einrichtung internationaler Register, die unterschiedliche Kontexte und Länder umfassen, ist unerlässlich, um die Genauigkeit der Prävalenzschätzungen und der mit jedem einzelnen TT verbundenen Merkmale zu verbessern.

Treatable Traits sind von Natur aus dynamisch und können sich von Jahr zu Jahr oder sogar innerhalb eines einzigen Tages ändern, beeinflusst durch den natürlichen Krankheitsverlauf oder therapeutische Maßnahmen. Darüber hinaus können Fortschritte in der Technologie und der pharmazeutischen Forschung die therapeutischen Targets verändern. Bestimmte Treatable Traits erfordern eine Beurteilung erst während der Nachsorge (z. B. Therapietreue), während andere bereits ab dem Erstbesuch bewertet und kontinuierlich neu beurteilt werden sollten (z. B. extrapulmonale Beteiligung). Die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen TT-Gruppen können auf komplexe und unvorhersehbare Weise auftreten, was ihre Priorisierung erschwert. Folglich muss eine auf TTs und Prioritätensetzung ausgerichtete Strategie während der Nachsorge kontinuierlich überprüft werden. Die Einbindung von Hausärzten in die TT-Strategie ist äußerst ratsam [46].

Die Sarkoidose kann praktisch jedes Organ befallen, was die Bedeutung eines umfassenden multidisziplinären Behandlungsansatzes unterstreicht. Das multidisziplinäre Team (MDT) hat sich zum diagnostischen Goldstandard bei interstitiellen Lungenerkrankungen (ILDs) entwickelt [64,101]. MDTs könnten potenziell die Patientenergebnisse verbessern, indem sie die diagnostische Genauigkeit erhöhen und Behandlungsentscheidungen verfeinern [102,103]. Bei der Sarkoidose erfordert der TT-Ansatz eine aktive Einbindung des MDT sowohl in der diagnostischen Phase als auch bei der Identifizierung und dem Management relevanter TTs. Die Behandlung und das Management der Sarkoidose könnten sich an dem am stärksten betroffenen Organsystem orientieren. MDTs haben das Potenzial, den Patientenfluss zu optimieren und unnötige Verzögerungen sowohl bei pharmakologischen als auch bei nicht-pharmakologischen Interventionen zu vermeiden, wodurch die Patientenergebnisse verbessert werden [102,103]. Die genaue Zusammensetzung des MDT und die Rolle des koordinierenden Arztes müssen jedoch noch festgelegt werden. Tabelle 2 stellt vorgeschlagene klinische Schlüsselpersonen vor, die in das MDT einbezogen werden sollten, sowie deren spezifische Kompetenzen. In Tabelle 3 werden drei Fälle beschrieben, die die Rolle des MDT bei der Identifizierung von TTs bei Sarkoidose veranschaulichen.

Tabelle 2

Tabelle 2: Fachliche Kompetenzen innerhalb des multidisziplinären Versorgungsteams für Sarkoidose
FachgebietKompetenzenBehandelbare Schwerpunktbereiche
Pneumologe (Koordination
des multidisziplinären
Teams)
Diagnosebestätigung und Abklärung der Ätiologie
Durchführung und Auswertung von Lungenfunktionstests
Bronchoskopie
Medikamentenüberprüfung (Überprüfung von Nebenwirkungen der Behandlung und Polypharmazie)
Sicherstellung der Therapietreue des Patienten
Behandlung von Atemversagen, LTOT, NIV
Identifizierung von Patienten, die für eine Lungentransplantation in Frage kommen
Erkennung und Behandlung akuter Exazerbationen/des Krankheitsfortschritts
Identifizierung von Patienten, die für randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) in Frage kommen
Überwachung des Schweregrads der Erkrankung und möglicher Komplikationen
Sterbebegleitung
Erkennung extrapulmonaler Erkrankungen und Überweisung an den entsprechenden Facharzt, falls erforderlich
Ätiologisch
Lebensstil
Pulmonal
Extrapulmonal
Komorbiditäten
Physiotherapeut und/oder
Atemtherapeut
Lungenrehabilitation Lebensstil
Lungen
Pflegekraft Koordination der Mitwirkung anderer medizinischer Fachkräfte
Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen beim Erkennen von
Symptomen, um Komplikationen zu vermeiden
Sicherstellung der Therapietreue der Patienten
Lebensstil
Radiologe Radiologische Diagnostik
Erkennung einer fortschreitenden Fibrose
Erkennung von unerwünschten Ereignissen
Erkennung von Komplikationen
Ätiologische
Komorbiditäten
Gastroenterologe Beurteilung und Behandlung extrarespiratorischer Beteiligung
Diagnose und Behandlung von GERD
Behandlung gastrointestinaler Nebenwirkungen der Therapie (z. B. Antifibrotika)
Extrapulmonal
Komorbiditäten
Infektiologe Ausschluss einer infektiösen Ursache der granulomatösen Entzündung
Beratung zur möglichen Prophylaxe bei Patienten, die mit Immunsuppressiva behandelt werden
Behandlung akuter und chronischer Infektionen
Ätiologisch
Lungenbezogene
Komorbiditäten
Kardiologe Diagnose und Behandlung von kardialem Sarkoid
Diagnose und Behandlung von Rechtsherzinsuffizienz
Diagnose und Behandlung der pulmonalen Hypertonie
Ätiologische
Komorbiditäten
Psychologe Behandlung von Angstzuständen und Depressionen
Unterstützung der Familie
Sterbebegleitung
Lebensstil
Endokrinologe Diagnose und Behandlung von Osteoporose und Diabetes bei Patienten unter chronischer Steroidtherapie
Behandlung endokrinologischer Begleiterscheinungen im Zusammenhang mit Sarkoidose
Begleiterkrankungen
Ernährungsberater Ernährungsberatung Lebensstil
Begleiterkrankungen
Augenarzt Untersuchung auf Augenbeteiligung
Behandlung von Augenbeteiligung
Behandlung der okulären Nebenwirkungen einer systemischen
Steroidtherapie
Extrapulmonal
Komorbiditäten
Rheumatologe Medikamentenüberprüfung (Überprüfung der Nebenwirkungen der Behandlung und der Polypharmazie)
Erkennung von Gelenk- und Muskelbeteiligung
Extrapulmonal
Komorbiditäten
Geriater Erkennung gebrechlicher Patienten
Medikamentenüberprüfung
Familiäre und soziale Unterstützung
Lebensstil
Komorbiditäten
Pharmakologe Medikamentenüberprüfung (Nebenwirkungen der Behandlung und Überprüfung der Polypharmazie)
Sterbebegleitung
Pneumologie
Thoraxchirurg Chirurgische Biopsie
Gemeinsame Behandlung von Lungenkrebs
Lungentransplantation
Ätiologische
Komorbiditäten
Hausarzt Medikamentenüberprüfung (Überprüfung der Nebenwirkungen der Behandlung und der Polypharmazie)
Sicherstellung der Therapietreue des Patienten
Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen beim Erkennen von Symptomen, um Komplikationen zu vermeiden
Sterbebegleitung
Lebensstil
Lungen
Komorbiditäten
AE, akute Exazerbation; GERD, gastroösophageale Refluxkrankheit; LTOT, Langzeit-Sauerstofftherapie; NIV, nichtinvasive Beatmung; PFT, Lungenfunktionstest;
PH, pulmonale Hypertonie; RCT, randomisierte kontrollierte Studie; RHF, Rechtsherzinsuffizienz.

Die Einbeziehung der Präferenzen und Werte der Patienten in eine TT-Strategie bei Sarkoidose ist von entscheidender Bedeutung. Die Kommunikation und die Entwicklung eines gemeinsamen Behandlungsplans mit den Patienten sind wesentliche Faktoren für die Therapietreue. Die Therapietreue, insbesondere bei der Einnahme von Kortikosteroiden, ist bei Sarkoidose oft eingeschränkt, während eine höhere Therapietreue mit einer verbesserten Lebensqualität korreliert [19,39]. Eine kürzlich von der European Lung Foundation durchgeführte Umfrage unter Sarkoidose-Patienten aus neun Ländern ergab, dass die Befragten die Notwendigkeit betonten, die Lebensqualität als relevantes Ergebnis in ihren Behandlungsplan einzubeziehen [104]. Erkenntnisse aus anderen chronischen Lungenerkrankungen haben gezeigt, dass sich die Ergebnisse verbessern, wenn Patienten mithilfe gezielter patientenberichteter Ergebnismaße (PROMs) in den Entscheidungsprozess einbezogen werden [105]. Die unterschiedlichen Ausprägungen und Arten der Beeinträchtigung der Lebensqualität spiegeln die Heterogenität der Sarkoidose wider. Eine strukturierte Anwendung von PROMs im Rahmen des TT-Ansatzes kann Behandlungseffekte auf das Wohlbefinden der Patienten effektiv erfassen.

Ein wesentliches Hindernis für eine wirksame Behandlung der Sarkoidose ist der Mangel an Biomarkern und Endotypen. Mehrere HLA-Haplotypen und SNPs wurden mit dem Ausbruch und den klinischen Manifestationen der Erkrankung in Verbindung gebracht [9,106,107]. Umgekehrt könnten bestimmte genetische Polymorphismen für die Variabilität der Behandlungsreaktionen verantwortlich sein [108,109]. Wie bereits erörtert, könnten Patienten mit HLA-Typen, die mit einem chronischen Verlauf assoziiert sind, von einem frühzeitigen Beginn immunmodulatorischer Therapien wie TNF-α-Hemmern oder Modulatoren des JAK-STAT-Signalwegs profitieren, doch handelt es sich hierbei derzeit um Spekulationen. Dennoch sind viele Biomarker durch ihre mangelnde Spezifität eingeschränkt, da sie mit breit gefassten Immunaktivitäten bei verschiedenen Erkrankungen assoziiert sind. Die Identifizierung von Biomarkern unter Einsatz von Methoden der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens könnte aussagekräftigere Erkenntnisse liefern als isolierte Marker. In diesem Zusammenhang könnte die Sarkoidose als Modell für die Anwendung der Präzisionsmedizin bei immunvermittelten Erkrankungen dienen und die Behandlungsparadigmen von reaktiven hin zu präventiven und zielgerichteten Interventionen auf der Grundlage genetischer Anfälligkeit verändern.

Schließlich lässt sich der TT-Ansatz in Ländern mit robusten Gesundheitssystemen und etablierten multidisziplinären Netzwerken möglicherweise leichter umsetzen, stellt jedoch in ressourcenarmen Umgebungen mit eingeschränktem Zugang zu diagnostischen Tests und Serum-Biomarkern eine Herausforderung dar. Kliniker in solchen Umgebungen können mit mehreren Hindernissen konfrontiert sein, die sich negativ auf die Arzt-Patienten-Kommunikation und folglich auf die Therapietreue auswirken. Darüber hinaus erfordern Bedenken hinsichtlich der potenziellen Kosten, die mit der Umsetzung des TT-Ansatzes verbunden sind, eine gründliche Abwägung. Zwar mögen anfängliche Investitionen in die klinische Forschung notwendig sein, doch lässt sich vernünftigerweise annehmen, dass die Lebenszeitkosten aufgrund verbesserter klinischer Ergebnisse sinken könnten.

Tabelle 3

Anmerkung zur deutschen Webversion

Die nachfolgenden drei Fallbeispiele sind hypothetische Szenarien. Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung des Treatable-Traits-Ansatzes und stellen weder dokumentierte Patientenfälle noch tatsächliche Behandlungsergebnisse dar.

Tabelle 3: Drei anschauliche Fälle von Patienten mit Sarkoidose, die gemäß der TT-Strategie behandelt wurden
Anamnese
Eine Frau in den 70ern mit pulmonaler Sarkoidose stellt sich mit chronischem Husten und Belastungsdyspnoe in der Klinik vor. Sie ist ehemalige Raucherin mit einer Raucheranamnese von 30 Packungsjahren, hat einen BMI von 35 und gibt eine Vorgeschichte mit koronarer Herzkrankheit, Osteopenie und gastroösophagealer Refluxkrankheit an. Derzeit wird sie mit täglich 15 mg Prednison, einem PPI und einer Thrombozytenaggregationshemmer-Therapie behandelt. Seit der Bestätigung der Sarkoidose-Diagnose durch eine transbronchiale Biopsie vor drei Jahren nimmt sie Prednison ein. Vor fast einem Jahr wurde sie mit Methotrexat behandelt, das jedoch aufgrund einer Lebertoxizität abgesetzt wurde. Sie leidet unter zunehmender Belastungsdyspnoe, die ihre täglichen Aktivitäten einschränkt, und berichtet seit einem Jahr von schlafbezogenen Erstickungsanfällen. Aufgrund ihres klinischen Zustands hat sie in letzter Zeit den Kontakt zu Familie und Freunden gemieden. Vor zwei Monaten wurde bei ihr eine HRCT-Untersuchung durchgeführt, die Hinweise auf ein Fortschreiten der Fibrose mit dem Auftreten von Wabenbildung und verstärkten Zeichen einer Traktionsbronchiektasie ergab. Die Spirometrie zeigt einen Rückgang der FVC um 400 ml in den letzten 12 Monaten, jedoch nur eine leichte Abnahme der DLCO. Ihre 6-Minuten-Gehstrecke beträgt 24 % des Sollwerts bei belastungsinduzierter Ateminsuffizienz. Der SGRQ-Wert liegt bei 73. Eine arterielle Blutgasanalyse zeigt eine Hypoxämie bei Normokapnie.
Behandelbare Merkmale Am Diagnose- und Behandlungsprozess beteiligte Fachpersonen des multidisziplinären Versorgungsteams Individuelle Behandlung
Lebensstil
Dekonditionierung der Skelettmuskulatur Pneumologe
Physiotherapeut
Lungenrehabilitation
Langzeit-Sauerstofftherapie
Pulmonal
Fortschreitende Fibrose Pneumologe
Radiologe
Antifibrotika
Chronische Ateminsuffizienz Pneumologe
Physiotherapeut
Langzeit-Sauerstofftherapie
Lungenrehabilitation
Komorbiditäten
GERD Gastroenterologe
Ernährungsberater
Hausarzt
Ernährungsempfehlungen
Prokinetika
OSA Pneumologe
Ernährungsberater
Ernährungsempfehlungen
CPAP-Therapie
Adipositas Ernährungsberater
Physiotherapeut
Hausarzt
Ernährungsempfehlungen
Bewegungstraining
Depression Psychologe Antidepressiva
Kognitive Verhaltenstherapie
Osteopenie Endokrinologe
Hausarzt
Medikamente zum Schutz der Knochen
Gebrechlichkeit Pneumologe
Physiotherapeut
Psychologe
Hausarzt
Ernährungsunterstützung
Lungenrehabilitation
Bewegungsprogramme
Ergebnisbewertung zu Beginn und nach dem individualisierten TT-Ansatz Zu Beginn 3 Monate 12 Monate
SGRQ 73 65 50
FVC in % des Sollwerts 50 50 48
6MWD in Metern 100 120 200
GERD Tägliche Symptome Nächtliche Symptome Keine Symptome
BMD-T-Score -1,6 / -1,5
BMI 35 34,5 29,5
K-BILD 65 60 45
FAS 6 6 5
Tabelle 3 (Fortsetzung)
Anamnese
Ein Mann in den Fünfzigern mit Sarkoidose stellt sich mit chronischem produktivem Husten und Belastungsdyspnoe in der Klinik vor. Er ist ehemaliger Raucher mit einer Raucheranamnese von 25 Packungsjahren und hat einen BMI von 16,7. Derzeit wird er mit einem PPI und einem niedrig dosierten Steroid behandelt, die vor drei Jahren bei der Diagnosestellung eingeleitet wurden. Die Therapietreue bei der Steroidbehandlung ist jedoch gering, da er Bedenken hinsichtlich des Diabetesrisikos und der Entwicklung von Schlaflosigkeit hat. In den vergangenen 12 Monaten hatte er vier Episoden von Infektionen der unteren Atemwege, die mit oralen Antibiotika behandelt wurden. In nur einer der vier Episoden wuchs in der Sputumkultur Haemophilus influenzae; zwei zuvor während einer klinisch stabilen Phase entnommene Sputumproben bestätigten das Fehlen von Mikroorganismen. Eine HRCT drei Monate vor dem Klinikbesuch zeigte ein stabiles Krankheitsbild mit Lungenknoten, intralobulärer Retikulation und diffuser zylindrischer Bronchiektasie. Die FVC blieb in den letzten 12 Monaten stabil. Der FEV1-Wert hat sich im letzten Jahr zunehmend verschlechtert – von 42 % auf 35 % des Sollwerts –, wobei ein forciertes Exspirationsverhältnis von 0,55 auf eine Atemwegsobstruktion hindeutet, jedoch ohne bronchodilatatorische Reaktion. Die DLCO war in den letzten 12 Monaten stabil. Seine 6-Minuten-Gehstrecke beträgt 84 % des Sollwerts.
Behandelbare Merkmale Am Diagnose- und Behandlungsprozess beteiligte Fachpersonen des multidisziplinären Versorgungsteams Individuelle Behandlung
Lebensstil
Therapietreue Pneumologe
Pflegekraft
Hausarzt
Aufklärung
Schriftliche Anweisungen
Selbstmanagementplan
Familiäre und soziale Unterstützung
Pulmonal
Wiederkehrende Infektionen Pneumologe
Physiotherapeut
Infektiologe
Hausarzt
Techniken zur mukoziliären Clearance mit einem Physiotherapeuten
Lungenrehabilitation
Atemwegsobstruktion Pneumologe
Physiotherapeut
Bronchodilatatoren
Komorbiditäten
Kachexie Pneumologe
Ernährungsberater
Hausarzt
Ernährungsberatung
Lungenrehabilitation
Ergebnisbewertung zu Beginn und nach dem individualisierten TT-Ansatz Zu Beginn 3 Monate 12 Monate
SGRQ 53 50 48
FVC in % des Sollwerts 55 57 58
FEV1 in % des Sollwerts 35 39 39
Exazerbationen/Jahr 4 / 1
Therapietreue Suboptimal Optimal Optimal
BMI 16,7 17 19
Tabelle 3 (Fortsetzung)
Anamnese
Ein Mann in den Dreißigern wurde aufgrund eines hochgradigen AV-Blocks und einer darauf folgenden Synkope ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Anamnese war unauffällig, allerdings hatte er in den letzten zwei Monaten vor der Einweisung eine Verschlimmerung seiner diffusen Gelenkschmerzen bemerkt. Die Echokardiographie zeigte lediglich eine leicht verminderte linksventrikuläre systolische Funktion. Bei der kardialen MRT wurden segmentale Kontraktionsstörungen festgestellt. Eine Ganzkörper-CT-Untersuchung während des Krankenhausaufenthalts ergab eine mediastinale Lymphadenopathie und bilaterale Lungenknoten. Es wurden eine Bronchoskopie mit Lavage sowie eine transbronchiale EBUS-Nadelbiopsie des mediastinalen Lymphknotens durchgeführt, die die Diagnose einer Sarkoidose bestätigten. Die Untersuchung auf eine Beteiligung anderer Organe war unauffällig, und die Lungenfunktionstests waren normal. Der Patient erhielt zwei Jahre lang systemische Steroide, woraufhin ein gutes klinisches Ansprechen eintrat und nach Absetzen der Therapie keine Anzeichen eines Rückfalls auftraten. Vier Jahre nach der Diagnose stellte sich der Patient mit Müdigkeit und diffusen Gelenkschmerzen in der Ambulanz vor; außerdem hatte er eine Verschlechterung der Belastungsdyspnoe und des chronischen Hustens festgestellt. Bei der körperlichen Untersuchung wurden beidseitige periphere Ödeme der unteren Extremitäten festgestellt. Die diagnostischen Untersuchungen zeigen ein Rezidiv der Herzsarkoidose und eine Verschlechterung der Lungenbeteiligung mit miliariformer Verteilung im HRCT. Die Lungenfunktionsprüfung zeigt nun einen restriktiven Defekt mit niedrigen DLCO-Werten. Die Blutgasanalyse zeigt eine leichte Hypoxämie, während der 6-Minuten-Gehtest positiv auf eine belastungsinduzierte Ateminsuffizienz ausfällt.
Behandelbare Merkmale Am Diagnose- und Behandlungsprozess beteiligte Fachpersonen des multidisziplinären Versorgungsteams Individuelle Behandlung
Pulmonal
Nicht-fibrotische Beteiligung Pneumologe
Radiologe
Hochdosierte Steroide
Rezidivierende Erkrankung Pneumologe
Radiologe
Hochdosierte Steroide
Chronische Ateminsuffizienz Pneumologe Sauerstofftherapie
Ventilationsstörungen Pneumologe
Physiotherapeut
Hochdosierte Steroide
Lungenrehabilitation
Hartnäckiger chronischer Husten Pneumologe
Hausarzt
Hochdosierte Steroide
Thalidomid
Extrapulmonale Beteiligung
Myokarditis Kardiologe
Radiologe
Hochdosierte Steroide
ICD
Muskulär/skelettal Rheumatologe
Physiotherapeut
Hochdosierte Steroide
Rehabilitation
Ergebnisbewertung zu Beginn und nach dem individualisierten TT-Ansatz Zu Beginn 3 Monate 1 Jahr
SGRQ 65 85 95
FVC in % des Sollwerts 52 75 105
FEV1 in % des Sollwerts 56 70 109
DLCO 50 70 90
Belastungsinduzierte Ateminsuffizienz Vorhanden Nein Nein
Exazerbationen/Jahr 1 0 0
LCQ 7 13 20
FAS 25 22 15
EF in Echokardiographie und kardialer MRT 35 % 55 % 55 %

In jedem Fall sind die vom multidisziplinären Team identifizierten pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Behandlungen sowie die hypothetischen Behandlungsvorteile aufgeführt, die nach 3 Monaten und 1 Jahr Nachbeobachtung bewertet wurden. Sie sollen die mögliche Anwendung des TT-Ansatzes veranschaulichen und stellen keine realen Patientendaten oder Fallberichte dar.

ABG, arterielle Blutgasanalyse; AHI, Apnoe-Hypopnoe-Index; BMD, Knochenmineraldichte; BMI, Body-Mass-Index; CAD, koronare Herzkrankheit; CPAP, kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck; DLCO, Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenmonoxid; EBUS, endobronchialer Ultraschall; EF, Ejektionsfraktion; FAS, Fatigue Assessment Scale; FEV1, forciertes Exspirationsvolumen in der ersten Sekunde; FVC, forcierte Vitalkapazität; GERD, gastroösophageale Refluxkrankheit; HRCT, hochauflösende Computertomographie; ICD, implantierbarer Kardioverter-Defibrillator; K-BILD, King’s Brief Interstitial Lung Disease Questionnaire; LCQ, Leicester Cough Questionnaire; 6MWD, 6-Minuten-Gehstrecke; OSA, obstruktive Schlafapnoe; PPI, Protonenpumpenhemmer; SGRQ, St George’s Respiratory Questionnaire.

Grafische Darstellung der Treatable Traits und des 5P-Modells

Abbildung 1: Bei einem einzelnen Patienten kann eine vielfältige Bandbreite an Treatable Traits (TTs) vorliegen, was sowohl einzigartige Herausforderungen als auch bedeutende Chancen für eine personalisierte Versorgung mit sich bringt. Jedes TT ist farblich gekennzeichnet, um seine Bedeutung, Messbarkeit und Behandelbarkeit für den einzelnen Patienten widerzuspiegeln. Diese Farbcodierung ermöglicht es Gesundheitsdienstleistern, schnell zu erkennen, welche TTs sofortige Aufmerksamkeit erfordern und welche im Laufe der Zeit überwacht werden können. Während einige vorgeschlagene TTs von großer klinischer Relevanz sind und sich möglicherweise einfach beurteilen oder behandeln lassen, können andere Herausforderungen bei der Identifizierung und dem Management darstellen. Darüber hinaus steht jeder Aspekt des 5P-Modells – Prädiktiv, Präventiv, Partizipativ, Personalisiert und Proaktiv – in dynamischer Wechselwirkung mit jedem TT und beeinflusst dessen Bedeutung sowie das Potenzial für eine wirksame Behandlung. Die erste Frau auf der linken Seite veranschaulicht beispielsweise, wie bestimmte TTs zwar nur minimale klinische Relevanz haben, sich jedoch leicht verhindern lassen, was die Bedeutung maßgeschneiderter Interventionen im Gesundheitswesen unterstreicht. QoL, Lebensqualität; PROMs, patientenberichtete Ergebnismaße.

Fazit

Die vorgeschlagene TT-Strategie für Sarkoidose stützt sich auf verschiedene Phänotypen und zentrale klinische Merkmale der Erkrankung. Ein besseres Verständnis der Pathophysiologie durch zusätzliche genetische und ätiologische Komponenten ist unerlässlich, um die Endotypen der Sarkoidose zu identifizieren und die klinische Versorgung der Patienten zu verbessern. Um diese Strategie effektiv umzusetzen, ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich, der nicht nur systemische und pathophysiologische Faktoren, sondern auch die somatischen und psychosozialen Dimensionen der Erkrankung berücksichtigt.

Weltweit stehen die mit der Sarkoidose verbundenen Herausforderungen in erster Linie im Zusammenhang mit dem Krankheitsmanagement und der Einbindung der Patienten. Die patientenzentrierte Medizin hat sich zur 5P-Medizin weiterentwickelt, deren Ziel es ist, die klinisch relevanten TTs zu identifizieren, auf die man sich konzentrieren sollte, um den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden [110]. Abbildung 1 stellt ein konzeptionelles Rahmenwerk dar, das TTs mit dem Ansatz der 5P-Medizin verknüpft, und ist keine Darstellung validierter klinischer Behandlungspfade. Die 5P-Medizin bezeichnet einen modernen Ansatz in der Gesundheitsversorgung, der prädiktiv, präventiv, personalisiert, partizipativ und proaktiv ist. Sie zielt darauf ab, Daten, Technologie und die Einbeziehung der Patienten zu nutzen, um Krankheiten zu erkennen, Behandlungen individuell anzupassen und die allgemeinen Gesundheitsergebnisse zu verbessern [110112]. Das 5P-Rahmenkonzept steht für einen Übergang hin zu einer proaktiven und maßgeschneiderten Gesundheitsversorgung, die über die traditionelle reaktive Versorgung hinausgeht [111]. Die 5P-Medizin legt den Schwerpunkt auf den Einsatz prädiktiver Technologien, um Krankheitsrisiken zu erkennen, präventive Maßnahmen umzusetzen, die Patientenbeteiligung zu fördern und Behandlungen auf der Grundlage individueller Merkmale zu personalisieren [112]. Die Präzisionsmedizin konzentriert sich zudem darauf, Behandlungen auf das einzigartige genetische Profil einer Person und andere prognostische Faktoren abzustimmen [83]. Die Einbeziehung der Patienten in den Entscheidungsprozess verwandelt sie von passiven Empfängern von Gesundheitsversorgung in aktive Teilnehmer an ihrer Behandlung und ihrem Management. Bei der Sarkoidose hat das 5P-Modell das Potenzial, zu effektiveren und nachhaltigeren Managementstrategien zu führen.

Weitere RCTs auf der Grundlage von TTs sind erforderlich, um sowohl nicht-pharmakologische als auch pharmakologische Interventionen zu optimieren, die sich auf phänotyp- und endotypgesteuerte Mechanismen konzentrieren, mit dem Ziel, die Lebensqualität und die Behandlungsergebnisse für Patienten mit Sarkoidose zu verbessern. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Ansatz auch das Bewusstsein für die Erkrankung bei Gesundheitsdienstleistern, Aufsichtsbehörden und Patientenvertretungen stärken wird.

Autorenangaben und Veröffentlichung

Zugehörigkeit der Autoren:
1 Abteilung für Atemwegserkrankungen, IRCCS Humanitas Research Hospital, Rozzano, Italien
2 Fachbereich für Biomedizinische Wissenschaften, Humanitas- Universität, Pieve Emanuele, Italien
3 Abteilung für Pathophysiologie und Transplantation, Universität Mailand, Mailand, Italien
4 Abteilung für Pneumologie und Zentrum für Mukoviszidose bei Erwachsenen, Fondazione IRCCS Ca’ Granda Ospedale Maggiore Policlinico, Mailand, Italien
5 Abteilung für Atemwegsmedizin, Klinik für Herz-Kreislauf- und Thoraxmedizin, AOU Città della Salute e della Scienza di Torino, Turin, Italien
6 Fachbereich Medizinische Wissenschaften, Universität Turin, Turin, Italien
7 Fachbereich für Herz-, Thorax- und Gefäßwissenschaften sowie öffentliche Gesundheit, Universität Padua, Padua, Italien
8 Klinik für Innere Medizin, Universität Padua, Padua, Italien
Mitwirkende: Konzeption: FA und PSp; Datenkuratierung: FA und AS; Einwerbung von Fördermitteln: FA und PS; Forschung, Methodik und Projektverwaltung: FA, AS, LCM, RFR und DB; Betreuung: FB, PSo, SA und PSp; Verfassen des Originalentwurfs: FA, AS, LCM, RFR und DB; Überarbeitung und Redaktion: FA, AS, LCM, RFR, DB, FB, PSo, SA und PSp. Verantwortlicher Autor: FA.
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