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mTOR und Sarkoidose in der Presse


Vor-Vorwort: Wenn jemand besseren/weiteren Text hat, immer nur her damit !

Inhalt:

  1. Vorwort
  2. mTOR in den Medien
  3. mTOR Grundlagen
  4. mTORC1 bewirkt Granulomwachstum


Vorwort

Von Forschung - und speziell von Grundlagenforschung - behaupte ich immer, dass die in Österreich kaum wertgeschätzt und damit auch praktisch nicht finanziert wird. Und dann taucht eineinhalb Monate vor dem Rare Disease Day der APA-Artikel auf, dass eine zum Großteil in Wien angesiedelte Forschergruppe ein Heilmittel für Sarkoidose hätte, für die nur noch abschließende Überprüfungen gemacht werden müssten - so zumindest hab ich den Text interpretiert.

Im selben Moment hab ich die Meldung wieder zur Seite geschoben und mir gedacht: Alpenrepublik.
Mittlerweile gibt es Beschreibungen von Sarkoidose seit beinahe 200 Jahren, ohne dass man bisher herausgefunden hätte, woher die Sarkoidose käme und warum sie welchen Verlauf einschlägt. An ein wirkungsvolles Medikament - abgesehen von Immunsuppresiva - gar nicht zu denken. Und dann taucht da eine Pressemeldung auf und endet mit "... Derzeit testen Mediziner bei Patienten, ob die Hemmung von mTOR tatsächlich zu einer Heilung von Sarkoidose führt."

"Tatsächlich." Hm... Aber vielleicht bahnt sich hier wirkliche eine Sensation an? Eine Entwicklung vielleicht, von der ich absolut nichts mitbekommen hab, obwohl ich doch stets versuche, mit weit aufgesperrten Augen suchend nach Anzeichen von Aktivitäten zu Sarkoidose durch den Tag zu gehen.
Höchste Zeit, um eine Fragestunde zu bitten. Und Thomas Weichhart war auch unmittelbar zu einer Auskunftsstunde zu haben (das ist in Wien überhaupt nicht selbstverständlich). Die Lehrstunde ist mir viel zu schnell vergangen und an mir vorbei gegangen. Erkennbar aufgewühlt hab ich die nächsten Tage begonnen - zu versuchen - mich in das Thema ein wenig einzulesen. Allerdings mit dem Erfolg, dass ich jetzt weiß, dass ich mich überhaupt nicht auskenn - es war bei jedem meiner Anläufe wieder schnell vorbei mit dem sinnerfassenden Lesen.
Also: mit meinem Text nachsichtig sein und ich bin für jede Berichtigung dankbar.

Im März war übrigens bei unserem FWF eine Stelle für ein Jahr und anschließend mit 15.5.2017 eine Post-Doc Stelle ausgeschrieben - ich hoffe, da geht noch mehr.

mTOR in den Medien

mTOR ist ein wichtiger zentraler Faktor im Lebenszyklus von Zellen, der Wachstumsfaktoren, Vorhandensein von Nährstoffen und den Energiestatus der Zelle mit Zellüberleben, Wachstum und Proliferation (Zellteilung und -wachstum) verbindet.
Durch die zentrale Position im Zoo der Signalisierungsmechanismen innerhalb der Zellen ging mTOR schon öfter durch die Medien: rund ums Altern, in der Muki-Bude und seit einigen Jahren werden mTOR-Hemmer auch schon in der Krebstherapie angewendet.

Zellbiologie ist eines der sich so schnell entwickelnden wissenschaftlichen Fächer, dass die Hälfte unseres heutigen Wissens schon in wenigen Jahren überholt sein wird. Man irrt sich empor. Insofern sind Hoffnungen, die durch die Presse geschürt werden, natürlich mit Abstand und Augenmaß zu betrachten.

Mittlerweile sind schon beinahe zwei Monate seit dem Besuch bei Thomas Weichhart vergangen und ich beginne langsam, einige Details mehr zu verstehen, die er im Gespräch angerissen hat. Obwohl - verstehen ist natürlich nicht der richtige Ausdruck, weil von verstehen bin ich weit entfernt. Aber erahnen, aus welcher Ecke der Zellbiologie welche Argumentation für potentielles Wirken von mTOR bei Sarkoidose kommen könnte - da bin ich hoffentlich ein Stück weiter. Die Videos von David Sabatini zum Thema mTOR haben dazu wesentliches beigetragen.

Aktuelle Pressemeldungen:

Ältere Pressemeldungen zu mTOR:

mTOR Grundlagen

mTOR ist ein wichtiger zentraler Faktor im Lebenszyklus von Zellen, der Wachstumsfaktoren, Vorhandensein von Nährstoffen und den Energiestatus der Zelle mit Zellüberleben, Wachstum und Proliferation (Zellteilung und -wachstum) verbindet.
Inzwischen hat man nachgewiesen, dass die mTOR-Signalisierung während verschiedener zellulärer Prozesse (z. B. Tumorbildung und Angiogenese, Insulinresistenz, Adipogenese und T-Lymphozytenaktivierung) aktiviert wird und bei Erkrankungen wie Krebs und Typ-2-Diabetes dereguliert wird. Diese Beobachtungen haben ein breites wissenschaftliches und klinisches Interesse an mTOR hervorgerufen. Mittlerweile werden mTOR-Inhibitoren zur Therapieunterstützung bei Krebs, nach Organtransplantation, Koronarrestenose und bei rheumatoider Arthritis angewendet.

mTOR ist ein Proteinkomplex, der in zwei Variationen vorkommt. Diese werden einfach mit dem Postfix Complex1 und Complex2 benannt und daraus die Kurzbezeichnungen mTORC1 und mTORC2 gebildet.
mTOR-Signaling at a Glance Die Vielfalt der Proteine, welche in den beiden Varianten an mTOR gebunden sind, erklärt die Vielfalt der Interaktionswege, in denen die beiden Komplexe eine Rolle spielen. Wenn salopp von mTOR geschrochen wird, sind einfach immer beide Varianten gemeint.
Substanzen/Medikamente wie Rapamycin passivieren zwar mTORC1, aber nicht mTORC2. Und auch mTORC1 nicht vollständig, weil der Proteinkomplex nach der Einwirkung Rapamycin immer noch freie Interaktions-(Protein-)Arme hat. Ein Themenbereich, an den man sich erst langsam heranforscht. Getrieben durch die Krebsforschung werden allerdings demnächst mehrere mTOR-Hemmer zur Verfügung stehen, die gezielter einzelne oder mehrere Funktionsbereiche der mTOR-Komplexe beeinflussen können.

Über die Wirkung von mTORC1 ist mittlerweile schon viel bekannt - wahrscheinlich auch deshalb, weil man mTORC1 mit Rapamycin beeinflussen konnte. Hauptwirkungsgebiet von mTORC1 ist die Beeinflussung von Autophagie (Grafik Sabatini).
Für die Arbeit über Autophagie gab es übrigens 2016 den Medizin-Nobelpreis (siehe unten).

mTORC2 reguliert unter anderem auch Vermehrung und räumliche Aspekte des Zellwachstums (Cytoskelett), hab ich in einer Dissertation aufgeschnappt, ohne mehr Belege dafür zu haben. Aber an dieser Verständnisstelle muss ich komplett die Fahnen streichen.

mTORC1 bewirkt Granulomwachstum

Im Paper von Monika Linke, Thomas Weichhart und Kollegen wird beschrieben, dass chronisch erhöhtes mTORC1 zu Granulomwachstum führt und das Fortschreiten von Sarkoidose kennzeichnet. Klinische Details wie der erhöhte Glukoseumsatz in den Granulomen (das kennen wir, damit ist eine Kontrastmittelanreicherung möglich) passen dabei stimmig ins Hoffnungsbild.
Das Nette daran ist, dass man schon seit vielen Jahre Medikamente hat, um mTORC1 hemmen und eine Menge neuer, an unterschiedlichen Stellen der Signalisierkaskade angreifenden mTORC1-/mTORC2-Hemmer aktuell in der Erprobung sind.

Wenn dieser Mechanismus auch bei Sarkoidose aktiv ist und es möglich wird, die richtige Komponente aus dem mTOR-umgebenden Zoo nebenwirkungsarm für einige Zeit ruhig zu stellen - dann: tschüss Granulome.
Welchen weiteren Verlauf die Sarkoidose nimmt, ist eventuell eine ganz andere Fragestellung. Aber selbst nur bei den Granulomen einen Reset zu ermöglichen, das wär schon was.

Die Hoffnungen, mit einer mTOR-Beeinflussung auch am Sarkoidoseverlauf direkt zu drehen, kommt auch aus den Forschungsergebnissen zu TBC. Die TBC-Bakterien verstecken sich dabei in den Granulomen und können sich so lange Zeit erfolgreich dem zerstörerischen Zugriff des Immunsystems entziehen (Tuberkulose-Bakterien rekrutieren Stammzellen zu ihrem Schutz).
Andererseits scheint mTOR auch eine wichtige Rolle an der TH1/TH2-Entwicklung von T-Zellen zu spielen - noch ein Hoffnungsschimmer mehr.

Allgemeine Einführung

Medizin-Nobelpreis 2016

Muki-Artikel

Die Freunde aus der Muki-Bude haben recht gute und gut verständliche Beschreibungen - auch über mTOR. Da der mTOR-Komplex für das Zell- und damit auch das Muskelwachstum eine entscheidende Rolle spielt, ist das auch nicht abwegig. Und was mich obendrein beeindruckt ist, dass sie absolut am Puls der Zeit sind.
Sie wollen allerdings das Gegenteil von dem, was wir wollen - nämlich Gewebeaufbau.

Videos

Kein Thema, über das es nicht auch Youtube-Videos gäbe.

Letzte Änderung: 2017-05-01
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